Recap und Ausblick
Uns ist aufgefallen, dass wir euch vielleicht erst einmal ein bisschen abholen müssen, womit wir uns gerade so beschäftigen. Wer noch gar nicht weiß, was hier überhaupt abgeht, fängt am besten hier an. Für alle anderen hier ein kleiner Überblick:
Recap
Im Winter 25/26 waren eigentlich nur zwei Baustellen geplant: ein Teil der Cockpitsanierung und der Austausch der Motorlager, die die Vibrationen des Motors dämpfen.
Für die Motorlager haben wir erstmal ganz harmlos angefangen, nach und nach sämtliches Zubehör rund um den Motor abzubauen. Und wie das bei solchen Projekten eben gerne läuft, kam dann eins zum anderen: Zwischendurch haben wir uns spontan ein neues Getriebe gekauft und kurzerhand beschlossen, dass wir es dann natürlich auch gleich mittauschen können. Je mehr wir um den Motor schwirrten, desto mehr ist uns aufgefallen, dass er schon ziemlich in die Jahre gekommen war. Und damit wuchs gleichzeitig unser Wunsch, die Sache einmal ganzheitlich anzugehen. Tja, und so kam der Motor am Ende dann eben doch komplett raus (erstmal nur für eine mögliche Überholung). Jan und ich hatten letztes Jahr schon mal im Spaß darüber geredet, wie cool so ein E-Motor eigentlich wäre. Da mussten wir jetzt wieder dran denken, so richtig aussprechen konnte es aber keiner von uns. Nach gut drei Monaten sind die Überlegungen dann aber doch ernster geworden und wir haben uns in einer sehr langen Entscheidungsphase doch noch dazu entschieden.
Klar wurde dann auch, dass wir das im Winter nicht mehr schaffen und das Boot im Sommer an Land bleiben soll. Unsere bisherige Halle war uns allerdings schon seit Längerem zu teuer und außerdem ziemlich weit von uns entfernt. Also haben wir kurzerhand nach einer Alternative gesucht und tatsächlich noch einen Platz auf dem Winterlager unseres Vereins bekommen. Zwar draußen statt in der Halle, dafür aber deutlich näher bei uns und vor allem wesentlich günstiger. Der Transport aufs neue Winterlager bedeutete aber auch, dass Perlicki bis zum Frühling schwimmfähig und halbwegs dicht werden musste. Und so begann der Hustle.
Neben einigen Lackarbeiten wollten wir noch Teile der Cockpitsanierung abschließen. Teile der Vertikalplatten und des Cockpitbodens mussten ausgetauscht werden (da gibt es bestimmt noch ein Recap zu) und dafür hatten wir dann schlussendlich nur noch zwei Monate Zeit. Gesagt, getan, wurde dann drei Tage die Woche die Baustelle weitergebracht, während unter der Woche alle möglichen Orga-Sachen für den Transport und das neue Winterlager geklärt wurden. Die Zeit war ganz schön stressig, aber mit ein bisschen Glück und vielen Gefallen von Bekannten und Freunden steht Perlicki jetzt tatsächlich auf dem neuen Winterlager und sogar unter einem Zelt.
Perlickis Umzug in die neue Hood
Plan für den Sommer
Hier mal einen groben Überblick was jetzt aktuell bis zum nächsten Frühling ansteht:
- Bewässerung
Abgesehen von den ganzen Arbeiten verbringen wir immer noch einen beträchtlichen Teil unserer Zeit mit Bewässern. Ein Holzboot steht in der Regel nicht besonders gerne auf dem Trockenen. Das Holz trocknet aus, zieht sich zusammen und die Abstände zwischen den Planken werden größer. Im schlimmsten Fall entstehen Risse, die nach dem Einwassern nicht mehr von selbst quellen und das Boot wird undicht. Um das zu verhindern, haben wir aktuell eine Folie um das Boot gespannt und Hackschnitzel darunter verteilt, die dreimal täglich per Sprühnebel bewässert werden. Gesteuert wird das Ganze über einen Gartencomputer und einen einfachen Schlauch mit Löchern. An besonders heißen Tagen müssen wir zusätzlich von innen nasse Bettlaken gegen die Planken legen, damit das Holz etwas quellen kann. Unser Setup funktioniert inzwischen ganz gut (am Anfang haben wir noch täglich von Hand bewässert). Trotzdem kostet uns allein die Lappenauslegerei am Wochenende schnell 2–3 Stunden. Und auf Dauer ist das ganz schön nervig.
- Boot sauber machen
Bevor wir neue Sachen ins Boot einbauen können, musste alles erstmal von 50 Jahren Ruß, Diesel und Öl befreit werden. Das Gröbste haben wir inzwischen geschafft, ein paar Bereiche fehlen aber noch. Und so tief, wie sich der Dreck ins Holz gezogen hat, werden wir ihn vermutlich nie ganz los. Putzen kann man trotzdem nie genug!
- E-Motor
Nachdem Jan wilde Ebay Käufe getätigt hat steht das grobe Setup des E-Motor jetzt bei uns im Wohnzimmer und dreht sich zumindest mal. So grob ist auch schon klar wo genau das alles ins Boot soll. Als nächstes müssen aber erstmal Schablonen für die Halterung des Motors und die Batterien entworfen und gebaut werden.
- Elektrik
Mit dem neuen Motor ist irgendwie auch die Elektrik-Thematik verbunden. Die Elektrik auf Perlicki war leider schon ganz schön alt und wenig vertrauenserweckend, abgesehen davon haben wir auch in einer schnellen Aktion beim Motorrausholen der Einfachheit halber viele Kabel durchgeschnitten. Also auf gut Deutsch einmal alles neu bitte. So gut wie alle Kabel sind mittlerweile draußen, lediglich ein paar, die wir brauchen, um neue einzuziehen, leben noch irgendwo hinter der Verkleidung. Vor der Umsetzung fehlt aber noch eine ganze Stange Planung.
- Spanten und Planke
Leider haben wir nach dem Ausbau des alten Motorfundaments feststellen müssen, dass drei Spanten im Bereich der Verschraubungen gebrochen sind. Nachdem wir die Bodenbretter über dem Dieseltank für den Ausbau entfernt haben ist uns noch eine Stelle unter dem Kondensatablauf des Kühlschranks aufgefallen. Wir wissen nicht ob da irgendwann mal ein Schlauch das Kondensat abgeführt hat, zuletzt war das aber nicht der Fall und so stand die Feuchtigkeit immer zwischen Planken, Spant und Kühlschrankisolierung. Entsprechend muss auch da etwas neues Holz verbaut werden. Um an die Stelle überhaupt ranzukommen musste erstmal der Kühlschrank raus. Die Flickstellen wollen wir voraussichtlich mit dem Bootsbauer unseres Vertrauens zusammen angehen.
- Einrichtung
Um den Dieseltank auszubauen, und auch um an die Planken für die Bewässerung zu kommen mussten wir einige Bodenbretter, Querbalken, Wegerungen und andere Teile der Einrichtung entfernen. Der eine Teil davon muss ersetzt werden, weil er beim Ausbau nicht zerstörungsfrei rausgenommen werden konnte, der andere Teil muss vor dem Einbau abgekratzt und geschliffen werden. Dadurch, dass der alte Dieselmotor nicht in einem abgetrennten Bereich war, ist so gut wie alles Holz unter den Bodenbrettern in Abgasen, Öl oder Diesel getunkt. So wollen wir die Einrichtung natürlich nicht wieder einbauen.
- Winschaufbauten
Die Verschraubung der Winschaufbauten durchs Deck ist von unten erkennbar undicht. Fiese Wasserflecken sieht man an der Decke, wenn man mal wieder gemütlich zum Werkeln in der Backskiste liegt. Um die Verschraubung zu lösen, mussten erstmal die Winschen weichen, die sind wohl auch schon ganz schön lange nicht ab gewesen. Anschließend konnten wir die Proppen entfernen und immerhin die Hälfte der Verschraubungen entfernen. Teilweise waren die Bronzeschrauben in wirklich dramatischem Zustand. Verrückt, wie gut das im Verbund noch gehalten hat, zumal die Genua wirklich ordentlich Last einbringt. Bei der Gelegenheit wollen wir auch die, an den engen Stellen um die Winsch in die Jahre gekommene, Lackierung neu aufbauen.
- Aufbau und Cockpit eindichten
Perlicki ist ein altes Boot und fast genauso alt ist ein großer Teil der Dichtmasse, mit dem der Aufbau, das Cockpit und auch vieles andere eingedichtet ist. Bei dem Deckrefit im Winter 2024/2025 haben wir die Dichtmasse auf dem Deck und von allen Beschlägen erneuert (Recap folgt bestimmt noch). Die Dichtmasse im Cockpit haben wir letzten Winter mit der Erneuerung der Sperrholzplatten erledigt. Jetzt fehlt noch die Eindichtung des Aufbaus, von den Püttingen (da wo die Drahtseile vom Mast am Boot festgemacht sind) und dem äußeren Cockpitrand.
- Rigg
Der Mast hat außer einer alljährlichen Lackschicht noch nicht so viel Liebe gesehen. Das wollen wir jetzt ändern. Ein paar Stellen haben ein bisschen zu wenig Lack und unter die Beschläge sollte auch mal geschaut werden. Die haben wir jetzt größtenteils schon abmontiert, jetzt folgt also viel schleifen und lackieren. Dazu wollen wir unsere Wanten, Stagen und Fallen ersetzen und müssen dafür noch ein paar kleine Anpassungen vornehmen. Der Lack auf Spibaum und den Salingen ist auch schon ganz schön spröde geworden. Deswegen wollen wir beides komplett abziehen und den Lack neu aufbauen.
- jährliche Lackarbeiten
Im Frühjahr steht dann abschließend das jährliche Schleifen und Lackieren der klarlackierten Flächen an der Außenhaut und den Aufbauten an.
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